Dienstag, 14. Juli 2009
Memory
Flor ist 13 Jahre alt und ihre Diagnose lautet Down-Syndrom. Sie geht Nachmittags in die Schule, die Vormittage verbringt sie oft alleine, ihre Geschwister sind in der Schule oder beim Hausaufgabenmachen. Der Vater der von Beruf aus Strassenbauer ist, arbeitet gerade in einer Mine, wie lange er fortbleiben wird, weiss keiner. Die Mutter putzt zweimal die Woche für eine Familie und verdient so das allernötigste Kleingeld für die Familie.
Heute ist die Mutter zu Hause, kniet über einer Waschschüssel und schrubbt die Wäsche. Nach einer Weile setzt sie sich zu Flor und mir an den Tisch. Wir unterhalten uns, Flor untersucht meine Hand auf Leberflecken und ich hole ein kleines Memory-Spiel aus der Tasche. Ein Werbegeschenk der Deutschen Bahn das mein Bruder mir gab. Wir spielen: Zunächst legen wir die Kaertchen mit dem Bild nach oben und suchen die Paare - ui, so viele Züge, rote, graue, grau-rote... dazwischen Papageien, Motoraeder, Sonne, Mond.
Dann drehen wir die Karten um und spielen richtig.
Die erste Runde ist schwierig, ja du darfst zwei Karten umdrehen, nein nicht drei, auch nicht so lange suchen, bis du das Gegenstück gefunden hast, ich bin jetzt dran...
Nach der dritten Runde ist klar wie das Spiel funktioniert und Flors Mutter und ich sind überrascht: Flor ist wahnsinnig gut! Sie gewinnt alle folgenden Runden locker, ich bekomme nur noch durch glückliche Zufälle überhaupt ein Paar ab und Flor scheint schon bevor sie die Karten umdreht zu wissen wo was liegt.
Ihre Mutter ist skeptisch, "sie denkt halt anders als wir" - so ihre Erklärung.
Aber dann bemerkt sie, dass sie gerade gemerkt hat, was ihre Tochter, die von allen immer schräg von der Seite angeguckt wird, alles kann. Sie grinst mich kurz an, steht auf und beugt sich wieder über ihren Waschtrog.
Flor stößt mich an: "Noch mal" und wir mischen die Karten und spielen noch mal.
Mittwoch, 17. Juni 2009
Schule, Schule, zur Schule
Die Schule für Menschen mit Behinderung liegt nahe des Rathauses von Villa el Salvador. Mit dem Bus brauchen wir 20 Minuten von Rosas Haus aus.
Wir das sind: Rosa, ihre Mutter, ein Nachbarskind, ich und noch eine andere Freiwillige. Und was wir wollen: Das Rosa auf diese Schule gehen kann!
Im Schulhof müssen wir warten und schauen uns um. Von Mauern umgeben bietet die Schule ein recht schönes Bild aus Grünflächen und Gebäuden. Nachmittags gibt es zwei Handwerksstätten, dort werden Ketten, Armbänder und Handyaufhänger hergestellt. Die Jugendlichen in den Werkstätten arbeiten mit Zange, Draht und Perlen - kann Rosa bei einer dieser Werkstätten mitmachen?
Wir werden zum Schulpsychologen gerufen. Eine harte Fragestunde beginnt. Rosas Mutter ist so nervös, dass sie nicht mehr das Geburtsdatum ihrer Tochter weiss. Die Situation ist angespannt, Rosa dem Weinen nah, als der Psychologe erklärt, dass seit Beginn des Jahres nur noch Kinder mit mehrfacher Behinderung die Schule besuchen dürfen. Anweisung vom Staat.
Als Rosa fünf war, hatte sie eine Krankheit und kann seitdem ihre Hand nicht mehr richtig bewegen, dazu kommt, dass sie sich wenig merken kann. Jetzt ist Rosa 16 Jahre alt und seid sie acht ist nicht mehr zur Schule gegangen. Die staatliche Schule wollte sie nicht mehr, da sie nicht Lesen und Schreiben lernen konnte.
Der Psychologe fragt die Mutter, ob sie nicht nach einer anderen Schule gesucht hätten: "Nein".
In solchen Momenten bin ich ein leidenschaftlicher Verfechter der Schulpflicht. Wie kann es sein, dass Eltern ihre Kinder einfach zu Hause behalten dürfen? Wie kann es sein, dass sie nicht nach Möglichkeiten suchen, sondern etwas akzeptieren, was noch lange nicht akzeptiert werden muss?
Ja natürlich weiss ich, dass in Deutschland die Schulpflicht ein umstrittenes Thema ist und wie überhaupt sollte in Peru so etwas um- oder durchgesetzt werden?
"Los niños solo son prestados" - Die Kinder sind nur geliehen... sie gehören uns nicht, wir können mit ihnen nicht machen was wir wollen...
Da stoße ich an den schwierigen Punkt, wie weit sich der Staat mit seinen Gesetzen in das Familienleben einmischen darf. In Deutschland habe ich viele Diskussionen darüber gelesen. Wann darf das Jugendamt eingreifen, was sollen Sozialarbeiter machen und was ist mit Pflichtuntersuchungen für Kinder?
Fragen die in Deutschland auftauchen, die hier nicht gestellt werden können, da es weder Jugendamt noch Sozialarbeiter gibt. Und Pflichtuntersuchungen? Gerade jetzt ist der Staat dabei eine Krankenversicherung für Menschen mit wenig Geld bereitzustellen, damit diese eher schlecht als recht, aber wenigstens überhaupt zum Arzt gehen können, wenn sie krank sind. Aber gesunde Kinder?
Über die genaue Arbeit des Jugendamtes mag man in Deutschland streiten, nicht aber darüber, ob eine solche Einrichtung generell notwendig ist. Der Staat soll eingreifen, wo Familienstrukturen versagen.
Das Gespräch ist beendet. Der Psychologe geht raus, spricht mit der Direktorin, wir bleiben zurück und warten - ich bin mir nicht mehr so sicher. Warten, wir machen irgendwelche blöden Witze, um die Anspannung nicht ins Unendliche wachsen zu lassen.
Warten - wird es klappen?
Der Psychologe kommt zurück,
setzt sich, wir starren ihn an
-
"sie kann bleiben".
Ich halte den Atem an und fange an zu verstehen, was er da gerade sagt. Ich schaue in die Runde. Dieser Gesichtsausdruck, wenn man nicht genau weiss, ob jemand weint oder lacht. Dankbarkeit, Erleichterung.
Der Psychologe erklärt uns das weitere Vorgehen. Die Schule ist umsonst, nur das Fahrtgeld muss von den Familien getragen werden und Rosa braucht einen Ausweis. Da sehe ich schon wieder die ersten Hürden. Wie soll die Familie die 80 Sol im Monat aufbringen, die für den Transport nötig sind?
Vielleicht muss ich jetzt auch einfach aufhören zu fragen und mich freuen: Rosa wird zur Schule gehen! Einfach hoffen, dass alles klappt und das sich irgendwann, Schritt für Schritt auch das ganze Land in diese Richtung wendet.
Für heute verlassen wir das Schulgelände. Was bleibt ist eine völlig erschöpfte Mutter und einen strahlende Rosa. Ihre Augen leuchten - genau wie meine.
Montag, 15. Juni 2009
Junio
1925 war Lima noch so groß wie Freiburg, mit 220.000 Einwohnern. Heute wohnen hier mehr als 8 Millionen Menschen, genau weiss es keiner. Wenn ich auf Wikipedia über Lima lese, finde ich nicht die gewohnten Bilder, sondern Kolonialbauten und moderne Hochhäuser. Das ist also das Bild, was von Lima verbreitet werden soll. Vielleicht zutreffend, da das auch das Bild ist, was die meisten Menschen, die Lima besuchen, erleben.
Von Osten aus den Anden fließt der Fluss Rimac nach Lima. Bevor er Lima erreicht, fließt er an 27 Minen vorbei und wird etliche Male zur Stromgewinnung genutzt.. Kaum erreicht er Lima wird der komplette Fluss in eine Stromgewinnung- und Trinkwasseraufbereitungsanlage geleitet - doch wie lange wird das noch so gehen? Berechnungen sagen, dass der Gletscher der den Rimac speist noch bis 2015 existieren wird.
Und dann?
Darüber scheinen sich hier eher weniger Leute zu sorgen. Der Präsident, Alan Garcia, hat jetzt erstmal mit seinem Programm "Agua para todos" allen in den nächsten Jahren Wasser versprochen. Ob es ALLE werden werden ist fraglich, aber es wird eifrig gebaut, Wasserleitungen, Wassertanks, Wasserpumpen, Wasserhähne. Im Moment verbrauchen die Menschen die in den Randbezirken bisher ohne Wasseranschluss leben zehn mal weniger Wasser als die Menschen in der Stadt. Dafür zahlen die zehnmal mehr für ihr Wasser, da es im Tankwagen geliefert wird. Sind die Wasserleitungen einmal verlegt und angeschlossen, bleibt der Geldbetrag den die Menschen für Wasser ausgeben meist gleich - nur die verbrauchte Wassermenge verzehnfacht sich...
Natürlich ist es keine Lösung die Menschen am Rande Limas einfach nicht ans Wassernetz anzuschliessen, damit sie weniger Wasser verbrauchen. Hier wird eifrig darüber diskutiert, ob es ein Recht auf Wasser gibt. Alle brauchen Wasser, dass ist klar, aber was es bestimmt nicht gibt, ist ein Recht darauf, Wasser zu verschwenden.
Vielleicht sind auch Lösungen in Sicht: im Rathaus von Lima wird über Trockenklos als Alternative nachgedacht - die ersten Modellklos werden bereits gebaut.
Vor einigen Wochen war ich bei einem Vortrag auf dem eine neue Erfindung für saubere Luft vorgestellt wurde: Der Superbaum! Das Logo stellt ein grossen Baum mit Gesicht dar, der seine Arme in die Hüften stützt. Allerdings geht es nicht wirklich um einen Baum, sondern um einen Maschine, die alle möglichen Partikel aus der Luft zieht, mit Hilfe eines Wasserfilters. Auch mehr Sauerstoff sei am Ende in der Luft. 400 solcher Maschinen sollen nun an den schlimmsten Kreuzungen in Lima aufgestellt werden. Aus der vier Meter hohen Maschine fuhrt ein Schlauch in einen kleinen Bushäusschen ähnlichen Glaskasten. Dort kann man sich reinstellen und fortan saubere Luft atmen. Eine Pause nehmen von der verschmutzten Abgas-Luft.
Der Referent erzählte, dass das Pflanzen von echten Bäumen zwar nett sei, da sie Sauerstoff produzieren, die richtig gefährlichen Stoffe allerdings, nämlich die Staubpartikel, nicht aus der Luft zögen. Diese Maschine scheint die Revolution überhaupt zu sein, wenn das stimmt - schön. Allerdings fragte ich mich während des ganzen Vortrags, warum so viel Zeit darauf investiert wird, die Staubpartikel am Ende aus der Luft zu ziehen - weshalb fängt man nicht andersrum an und beginnt die Autos mit Filtern auszustatten. Verhindern, dass die Partikel überhaupt in so einer großen Zahl in die Luft kommen. Prävention...
Mir kommt es so vor, als ob viele Diskussionen über Umweltschutz, Gesetze und mehr, die in Deutschland schon seit langem geführt werden, hier erst in den Kinderschuhen stecken. Vielleicht gehen sie auch einfach zwischen zu vielen Liebesliedern und Reis mit Hühnchen verloren. Vieles kommt mir unreflektiert vor. Manchmal kann ich nur mit dem Kopf schütteln, so zum Beispiel als ich gestern an einer riesigen Werbetafel vorbeifuhr auf der stand: "5. Juni Tag der Umwelt: Der Planet braucht uns"
Wenn das die hier vorherrschende Meinung ist, dann wird mir einiges klar.
Noch ein anderes Thema: Gerade können wir hier Waldpolitik live und in schlimmsten Ausmaß miterleben: Vor einiger Zeit hat Peru einen Freihandelsvertrag mit den USA unterschrieben. Dieser Freihandelsvertrag schreibt vor, dass Peru sich öffnen muss und bestimmt Ressourcen zugänglich werden müssen für Firmen. Daraufhin hat Peru seinen Amazonasregenwald "verkauft" und durch ein Gesetz möglich gemacht, dass sich Firmen Konzessionen kaufen können, um fortan Bodenschätze, Holzvorräte sowie Pflanzen und Tiere auf der Fläche "nutzen" können. Für Peru hat das den Vorteil, dass es einerseits viel Geld gibt, das Fläche, die für den Staat im Moment wenig Verwendung hat, genutzt wird und außerdem, dass das Holz, das im peruanischen Regenwald geschlagen wird, endlich eine vermeidlich legale Herkunft hätte.
Nur - eine Sache hat der peruanische Staat dabei vergessen: Im Regenwald leben Menschen! Und zwar nicht wenige, und diese Menschen haben - sogar per Gesetz festgeschrieben - Mitspracherechte! Sie dürfen mitentscheiden, wenn es um ihr Land geht. Natürlich waren die Waldbewohner (Indígenas) nicht einverstanden mit dem Gesetz während es allen anderen ziemlich egal zu sein schien. Nach friedlichen Protesten, Versuchen der Kommunikation ist die Situation letzte Woche eskaliert und es kam zu Kämpfen zwischen Indígenas und Polizei. Es gab zahlreiche Tote, Straßen wurden blockiert, die Titelblätter sämtlicher Zeitungen waren rot. Was vorher keinen interessiert hatte, war nun Thema Nummer eins. "Barbaren", "Wie können sie nur", "Kulturlose" - so wurden die Indígenas beschimpft. Kaum eine der Zeitungen machte sich die Mühe mal die Hintergründe zu beleuchten, im Gegenteil, es war einen wunderbare Möglichkeit Vorurteile zu bedienen und die Indígenas einmal mehr als Steinzeitmenschen darzustellen.
Mittlerweile hat sich die Regierung dazu bequemt noch mal über die Situation nachzudenken, das Forstgesetz wurde erstmal ausgesetzt und wird jetzt neu verhandelt - dieses Mal vielleicht unter Einbezug der Bewohner des Waldes? Ich hoffe es.
Abseits von den politischen Mysterien die hier in großer Zahl auftauchen, bleibt auch der Alltag spannend: So frage ich mich zum Beispiel warum ein schwarzhaariger Mensch sich die Haar schwarz färbt - wie zum Beispiel eine Schülerin vom Zirkus - und am Ende auch noch wirklich anders aussieht - irgendwie schwärzer...
Nun ja, einiges was ich wohl nie verstehen werde, aber auch wir sind für viele Kinder hier ein großes Rätsel. "Siehst du durch deine Augen eigentlich alles blau?"
... mmmh, und du alles braun?
Und zum Schluss noch was zu uns: Alles gut ; )
Für Fotos klickt hier
Und hier einen interessanten Artikel zu Plastikmüll.
Donnerstag, 23. April 2009
Ein Blick im April
Was ich hier mache ist ein Zwischending zwischen Sozialarbeiter - wissenschaftlicher Berater - Beobachter - und Zirkuslehrer, und viel mehr, aber mal in Worte gefasst, sind das vielleicht die Hauptsachen.
Ich bin in den Familien, hoere den Menschen einfach zu, spiele mit den Kindern, mache Ausfluege mit ihnen. Ich habe einfach Zeit bei ihnen zu sein und erfahre einen Menge ueber Familienleben, die Situation der Menschen vor Ort.
Gleichzeitig erzaehle ich ihnen von moeglichen Loesungen, installiere Ecosilos und Pflanzenklaeranlagen, helfe beim Bau von Trockenklos und lerne ueber Baeume in Lima und Nebelfaenger.
Oft beobachte ich einfach, was um mich herum passiert, wie Menschen auf was reagieren.
Einige Tage der Woche bin ich in der Schule "Casa de Cartón" und mache dort mit Sebi zusammen Zirkusgruppen. Vier Gruppen haben wir, alle voellig verschieden und so lerne ich sehr viel waehrend ich mit Sebi ueber die Kinder /Jugendlichen spreche und wir ueberlegen, wie wir wem begegnen koennen. Die Kinder bringen mich teilweise ins Schwitzen, aber ein Intensivkurs in "Erziehung" koennte nicht besser sein!
Und auf die Dinge aus der Eos-Ausbilung kann ich auch zuruckgreifen. Es macht richtig Spass!
Sehr vielfaeltig sind die Tage und ich fuehle mich wohl.
Zeit zum Salsa lernen ist auch noch. Beim Mittwochsabend Gratiskurs sind wir schon fast Stammgaeste, aber ich finde es immer noch schwer. Salsarhythmus habe ich noch nicht so im Blut und mein Mund steht offen, wenn ich den Profis zugucke. Wahnsinn!!
Und nie gleich - oder kommt mir das als Laie nur so vor?
Wie die Menschen sich beim Tanzen bewegen, ist jedenfalls beeindruckend und nicht nur ich starre bisweilen vollkommen fasziniert auf ein tanzendes Paar, sondern manchmal schaue ich mich um und bemerke, dass es der Mehrheit im Saal aehnlich geht und viele gerade den Blick fest an die Tanzenden geheftet mitschwingen zur Musik und dem verworrenen Salsabeat.
Krishna Krishna
Ueber Ostern haben wir eine oekologische Kommune noerdlich von Lima kennen gelernt. Dort leben ca. 30 Menschen zusammen als praktizierende Hare Krishna Anhaenger.
Wir haben uns gleich sehr wohl gefuehlt, auf diesem gruenen Gelaende mit Biogarten und Kompostklos, zwischen dem Tempel und den vielen sehr interessanten Gespraechen ueber diese Religion.

Es ist schon erstaunlich was fuer eine Energie frei wird, wenn so viele Menschen auf einmal das Mahamantra singen: Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare, Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare.
Das Mantra wird gesungen, getanzt, gefeiert...
Jeder von den Hare Krishnas rezitiert dieses Mantra 108 x 16 mal am Tag.
Vielleicht ist es genau das, was mich auch wieder ein bisschen von dieser Religion abschreckt...
Mehr Fotos findet ihr hier.
Montag, 6. April 2009
Strandreiten
Unten verlaeuft die Panamericana, wir steigen in einen Bus und fahren einige Kilometer und laufen dann den Rest bis zum Strand. So viele Pferde treffen wir schon auf dem Weg - ganz Lima scheint hier Pferde zu haben. Die meisten Pferde sind riesengrosse Vollblueter, aber fuer uns stehen drei kleine, sehr zahme Pferde bereit. 
Waehrend Flor sich von Anfang an wie eine Koenigin im Sattel fuehlt, dauert es bei Rosa laenger. Sie kann sich nur mit einer Hand festhalten und braucht ein Weilchen bis sie den Rhythmus des Pferdes uebernimmt. Ebenso Renzo, er ist unruhig und entspannt sich erst als Heidi mit zu ihm aufs Pferd steigt. Zusammen geht es viel besser.
So reiten und laufen wir dahin, begleitet von zwei Hunden, die sich Kaempfe mit Krebsen liefern und uns bewachen. Der Strand ist endlos, mit vielen Moewen, so viel Sonne, so weichen Pferden und so gluecklichen Kindern. Die Muetter laufen hinterher, unterhalten sich, planen, was sie bald zusammen unternehmen koennten - vielleicht in einen gruenen Park fahren? Was fuer ein schoener Nebeneffekt. Nicht nur die Kinder entdecken etwas neues, sondern auch fuer die Muetter scheinen sich neue Moeglichkeiten zu ergeben. Warum nicht einfach mal wohinfahren, heraus aus der Sandwelt Oasis?
So viel Wasser - wieso hat es noch keiner ausgetrunken? ![]() |
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Montag, 30. März 2009
Fotos von Trockenklos
Hier sind nun endlich einige Fotos von einem Trockenklo, damit ihr es euch besser vorstellen koennt. Es ist so, dass der Urin vom Rest getrennt wird, durch einen speziellen Klositz. So kann der Urin als Duenger genutzt werden und der Rest trocknet und wird spaeter noch kompostiert. Allerdings ausserhalb des Klos.
Heute ist bei uns das Wasser bei uns in der Wohnung ein Weilchen ausgefallen, da waer ein Trockenklo schon was feines. Sonst stinkt es naemlich - nicht so beim Trockenklo!
Fuer Fotos klickt hier drauf:
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Sonntag, 15. März 2009
Nebelfaenger und Trockenklos
Heute waren wir zusammen mit Anne und Kai, die das Nebelfaengerprojekt betreuen, in Quebrada Alta, einem Randbezirk von Lima. Dort war heute Stichtag, um einen Nebelfaenger zu bekommen, mussten die Leute dort bis heute eine Wasserspeichergrube ausgehoben haben. Jetzt in der Trockezeit ist es schwer vorzustellen, aber ein Nebelfaenger soll im Winter 600 Liter Wasser am Tag aus der Luft auskaemmen. Mehr als so eine Gemeinschaft braucht. Genug um Gaerten anzulegen fuer Gemuese und anderes Gruen.
Nebelfaenger der Nachbargemeinde
In den naechsten Wochen wird nun das Betonbecken gegossen, danach werden die Nebelfaenger aufgestellt. Zu Beginn der Nebelzeit im Juni soll alles fertig sein.
Und die Menschen haben es selbst gemacht, haben in schwerer Arbeit die Grube in den steinigen Boden geschlagen und bewiesen, dass ihnen diese Art der Wasserversorgung wichtig ist.
Ungefaehr 80% der Einwohner Limas sind ans Wassersystem angeschlossen. Oft gibt es allerdings nur einige Stunden am Tag Wasser. Ein grosses Problem von Lima ist nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch die Abwasserentsorgung. Ca. 15% der Abwaesser werden geklaert, der Rest wird ohne irgendeine Form der Behandlung ins Meer geleitet. Und auch in den bestehenden Klaeranlagen ist der tatsaechliche Erfolg der Klaerung fragwuerdig. Kein Wunder also, dass das Meer vor Lima zu den am staerksten verschmutzten der Welt gehoert.

Dreckfahne im Wasser
Heike war heute auch mit dabei. Unterstuetzt durch die GTZ ist ihr Ziel in drei Jahren 300 Trockentoiletten in Lima zu bauen. Vor allem in Bezirken wo es noch kein fliessend Wasser gibt sieht sie Aussicht auf Erfolg. Diese Toiletten funktionieren aehnlich wie Komposttoiletten ohne Wasser. Geruchsfrei und mit Duenger als Endprodukt. So koennten in den wasserlosen Gebieten Limas hygienische Baeder installiert werden, aber auch in Gebieten mit Wasseranschluss, koennte durch diese Technik weniger Abwasser produziert werden.
Immer mehr Menschen begeistern sich fuer diese Art der Toiletten und vor allem Frauen und Kinder wuerden so unterstuetzt. Erst heute sagte uns der Gemeindevorsteher von Quebrada Alta, dass 80% der Kinder an Magenkrankheiten leiden, vor allem wegen der unhygienischen Umstaende der bestehenden Toiletten. Diese Toiletten bestehen aus einem Loch im Boden, abgedeckt mit einer Platte. Darauf steht ein Haeusschen. Ist das Loch voll, wird an einer anderen Stelle ein neues Loch gegraben und das Haeusschen draufgesetzt.
Quebrada Alta allerdings liegt an einem steilem Hang. Die Fluessigkeit aus der Toilette sickert durch den sandig-steinigen Hand und tritt unten wieder zu Tage, oder wird sichtbar an den nassen Haeuserwaenden, der in den Hand gebauten Huetten.
Mit Trockentoiletten waere dieses Problem geloest.
Hier noch einige Bilder:
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Donnerstag, 12. März 2009
Limasommer


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Freitag, 6. Februar 2009
Anden



Auf dieses Bild koennt ihr klicken fuer mehr Bilder:
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Katastophenritt - oder ein Wettlauf mit dem Licht
5:20 Wecker klingelt, Guten Morgen!


Donnerstag, 29. Januar 2009
Casa de las Ciclistas in Trujillo
Luchos Haus liegt im Zentrum von Trujillo und die Wand ueber der Tuer ist bemalt mit einem Bild auf dem ein Rennradfahrer und ein Reiseradler zusammen eine Weltkugel hochhalten. Amistad (Freundschaft) ist darueber zu lesen.

Schon lange bevor wir in Trujillo eintreffen, wissen wir von Luchos Haus, dem "Casa de las Ciclistas" (Haus der Fahrradfahrer). Lucho selber ist Profirennradfahrer, hat in etlichen peruanischen Rennen gewonnen und nimmt seit mehr als 20 Jahren Reiseradler die durch Trujillo kommen in seinem Haus auf.
Die Liste an Menschen die schon hier waren beeindruckt und die Gaestebucheintraege zeugen von einer Vielzahl an Geschichten. Menschen die wie wir "nur" kurze Zeit per Fahrrad unterwegs sein werden, dann die Vielzahl an Radlern die von Alaska nach Feuerland oder umgekehrt wollen und dann die Menschen, bei denen Radeln schon viel mehr ist, als nur ein Abenteuer auf Zeit: Weltumfahrer oder Familien, die schon seit Jahren durch die Welt touren, die Kinder im Anhaenger. Fahrradfahrend durchs Leben und dabei die ganze Welt durchqueren.
Sofort fuehle ich mich sehr wohl im Casa de Ciclistas. Luchos Familie ist sehr nett und betont immer wieder, wir sollen uns wie zu Hause fuehlen. Gerade wird eine Hochzeit vorbereitet. Braeutigam ist Luchos Neffe, er ist 18. Die Braut, ebenfalls 18, erwartet ein Kind und da gibt es im doch noch recht traditionellen Peru nicht allzu viele Moeglichkeiten. Heiraten ist eine davon. Abtreiben offiziell verboten.
Das Hochzeitsfest wird bei Lucho im Haus stattfinden. Nachts helfen wir noch die Fahrradwerkstatt aus dem grossen Eingangsraum in ein Hinterzimmer umzuziehen und tags darauf wird fieberhaft an den Vorbereitungen gearbeitet. Streichen, Putzen, Musikanlage aufbauen.
Sebastian und ich entgehen dem allerdings und schauen uns lieber Chan Chan an. Eine Ruine nahe Trujillo aus der Chimú-Zeit (1.000 - 1.400 n. C.), die groesste Lehmziegelstadt der Welt. Beineindruckend, aber in der Mittagshitze viel zu heiss.

Zerfallende Lehmmauern
Schoen ist es in einer Stadt bei netten Menschen unterzukommen und so gleich Kontakte zu knuepfen die ueber das alltaegliche Blabla hinausgehen. Durch Lucho lernen wir in Trujillo Menschen kennen, die uns ihre Geschichte erzaehlen; Deutsche, die nach Peru ausgewandert sind; ein Priester, der nun kein Priester mehr ist, weil er sich verliebte und nun als Musiker sein Geld verdient - er spielt ueber 30 Instrumente!
Der kleine Sohn von Lucho ist uebrigens schon genauso begeistert fuer Fahrraeder wie sein Papa. Lance heisst er. Und Lucho fuegt grinsend hinzu "Wie Lance Armstrong".
Kein Wunder, dass sich da in Luchos Gaestebuch Eintraege finden lassen, die sich auf diesen Namen beziehen. Zum Beispiel "Lance - el prometido (der Versprochene)" oder "Hoffenlich gewinnt er dann auch die Tour de France"
mit Lucho
Mehr Fotos von der trockenen Kueste findet ihr hier:
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Mittwoch, 21. Januar 2009
Wueste
Endlose Wueste.

Montag, 19. Januar 2009
Peruanische Studenten
In der Zeitung habe ich gestern ein Foto aus Deutschland gesehen: Eisbrecher auf der Mosel. Der Text dazu beschrieb, dass es wohl der kaelteste Winter seit Jahrzehnten in Deutschland sei.
Hier ist es alles andere als kalt, dafuer oft dunkel. Richtig dunkel, von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens ist schwarze Nacht und die Strassenlaternen erinnern oft eher an Funzeln, als an Lampen die tatsaechlich Helligkeit verbreiten. Vor allem wenn sie ganz ausfallen - dann beleuchtet nur noch die Leuchtreklame an den Haeusern die Strassen der Innenstadt. Aber wenn ihr jetzt denkt, es waere dann stockduster - weit gefehlt: Leuchtreklame gibt es viel und sie macht ihrem Namen Ehre und verbreitet ein Leuchten. Da merkt man fast nicht, dass die Strassenlaternen aus sind, wenn man durch die Nacht tappt.
Wir haben die letzten beiden Tage in Chiclayo Station gemacht und unsere Beine ausgeruht und es genossen, nicht jeden Morgen alles in die Fahrradtaschen zu verstauen. In dieser Gegend gibt es so viel anzugucken, dass einfach nur durchradeln schade waere.
Nordperu ist von einer Vielzahl von verschiedenen Kulturen gepraegt worden, die - bevor die Spanier im 15. /16. Jahrhundert kamen - eine Menge Bauwerke, Kunst und Kultur hinterlassen haben.
Heute haben wir eine 1.700 Jahre alte Pyramide von der Moche Kultur bestaunt, dort sind vor 20 Jahren intakte Grabkammer gefunden worden - eine Sensation in der archaeologischen Welt, die mit den Funden in den aegyptischen Pyramiden verglichen wurden.
Die Pyramide von Sipan ist riesig, wurde vor fast 2 Jahrtausenden aus Millionen von Lehmziegeln aufgebaut und gleicht heute einem grossen, verflossenen Wachsgebilde. Das Klima hat seine Spuren hinterlassen, Mauerreste erkennt man nur noch bei genauem Hingucken. Die Grabkammern allerdings wurden mit dem Pinsel freigelegt und sind sehr beeindruckend anzuschauen, vor allem die Erklaerungen im dazugehoerigen Museum sind spannend. So wurde dem Koenig von Sipan zum Beispiel bei seiner Bestattung 8 weitere Menschen zur Seite gegeben. Darunter neben mehreren Frauen, ein Soldat der als Wache diente. Seinem Skelett fehlen die Fuesse, als Symbol dafuer, dass er sich nicht von der Stelle bewegt und den Herscher treu bewacht.
So sieht die Pyramide heute aus.

So sah sie wohl einmal frueher aus. Ein Modell.
In den letzten Jahren war Peru sehr bemueht die kulturellen Hinterlassenschaften frueherer Kulturen in eine touristische Infrastruktur einzubetten, denn so eine Pyramide a la Wachsblog ist nur halb so toll, wenn einem verschlossen bleibt, was es eigentlich einmal darstellen sollte.
Diese Infrastruktur wirft manchmal noch einige Fragen auf. So ist es zum Beispiel im Museum verboten Fotoapparate mitzubringen, Rucksaecke muessen draussen abgegeben werden. Allerdings ist es auch verboten, Wertgegenstaende - wie zum Beispiel Fotoapparate - im Rucksack abzugeben. Mmmh, wohin also mit der Kamera?
Schoen ist es, dass es in Peru richtig viel Rabatt fuer Studenten gibt, teilweise allerdings nur fuer peruanische Studenten. Kein Problem fuer uns, denn mit einem Studentenvisum fuer Peru in unserem Pass, zaehlen wir als peruanische Studenten!
Morgen geht es weiter auf der Panamericana gen Sueden. In zwei oder drei Tagen wollen wir Trujillo erreichen. Frueh losfahren, um der Hitze zu entgehen.
Ich freu mich aufs weiterfahren, auf die Landschaft durch die wir fahren werden, auf die Menschen, denen wir begegnen werden und auf die Zeit, die einfach da ist, waehrend wir radeln. Zeit zum Beobachen und um das aufzunehmen was passiert.
Samstag, 17. Januar 2009
Autofreier Freitag auf der Panamericana
All zuviel Verkehr ist nicht auf der Panamericana. Aber wenn dann der ganze Verkehr von 2 Tagen schoen aufgereiht auf dem rechten Fahrstreifen steht, erscheint einem die Autoreihe an der man vorbeifaehrt endlos.
In der Region um Sullana wurden die Preise fuer das Wasser erhoeht. Die Bananenbauern der Region waren empoert und beschlossen die Panamericana lahmzulegen, um sich so Gehoer zu verschaffen. Im Dorf San Jacinto, etwas westlich von Sullana, legten sie also alles moegliche auf die Strasse und stellten einige Lkws quer.

Als wir dort ankamen, war die Strassensperre schon 48 Stunden im Gange und es hatte sich nicht nur eine sehr lange Reihe Laster und Busse gebildet, sondern auch der Gestank war schon auf ein erhebliches Mas gestiegen. Denn nicht nur, dass die ganzen Leute, die nun in dem kleinem Kaff festsassen auf Toilette gehen mussten, sondern die Laster hatten teilweise gekuehlte Ware geladen, die sich nun langsam in fluessiger Form davon zu machen drohte. Von der Kueste her kommend, mit Fisch beladen und die Panamericana als einzige grosse Strasse in der Gegend - Fluessigfisch sollte es also geben. Auch rote Suppe lief aus manchen Haengern - entsteht wohl so Gammelfleisch?!
Als wir so mit unseren Fahrraedern an den Lastern vorbeirollten, muss ich schlucken, als ich sehe, dass unsere Fahrradreifen bedeutend mehr Profil haben, als die teilweise spiegelglattgefahrenen Raeder der Lkws. Nichts desto trotz prangt an vielen der Fahrzeuge ein grosser Aufkleber, auf dem verkuendet wird, dass dieses Auto die jaehrliche Kontrolle bestanden hat. Auf was wird da wohl geprueft?
Die Mitte der Strassensperre bildete ein einige hundert Meter langer Fahrbahnabschnitt, auf dem Scharen von Menschen unterwegs waren, auf der einen Seite aus ihrem Bus ausgestiegen, um auf der anderen Seite in einen Bus zu steigen, der seinen Weg auf der anderen Weg fortsetzen konnte. Gerade waren mengenweise Polizisten dabei sich zu formieren, um die versammelten Landwirte zum Aufloesen der Sperrung zu bewegen.
Wir konnten ueberall ungehindert mit den Fahrraedern passieren und taten dies auch, da die Situation gerade zu eskalieren drohte. Durch die Hitze radelnd, erreichen wir Nachmittags Sullana, eine graue Stadt, es ist heiss und stickig und als haette der Protest der Bauern schon die Stadt erreicht, gibt es in unsere Unterkunft kein fliessend Wasser. Duschen aus einem Eimer ist aber auch ok. Ob wir den Bananen damit wohl das Wasser wegnehmen?
Freitag, 16. Januar 2009
Radeln
Seit einer Woche sind wir nun unterwegs.
Die Landschaft wandelt sich stetig: War in Ecuador die Strasse noch von tropischen Waeldern gesaeumt, so wird es seit wir vor eine paar Tagen die Grenze nach Peru ueberquert haben, zunehmend trockener und wuestenhafter.

Die Panamericana, als "die Strasse" Suedamerikas, ist faszinierend zu fahren. Direkt an der Kueste entlang fuehrt sie und neben uns gleiten Pelikane uebers Wasser, so dicht ueber den Wellen, als wuerden sie gleich verschluckt. Ziegen fressen an den trockenen Haengen der felsigen Huegel die letzten Straeucher ab. Und wir radeln an Hoefen vorbei, wo wir uns fragen, wie die Menschen dieser trockenen Erde ueberhaupt etwas abgewinnen. Ein Friedhof - voellig leer; die Menschen bestatten ihre Toten lieber direkt an der Panamericana, an der Graeber in kurzen Abstaenden stehen. Die Strasse reicht manchmal bis zum Horizont, so geradeaus, so lang.

Und wir fahren und fahren, durchqueren Landschaften, passieren Doerfer, treten in die Pedalen, auf flachen Strecken scheint es wie von selbst zu gehen. Wir fahren in unserer Reisegeschwindigkeit, so, dass wir beobachten koennen, was vorueberzieht, manchmal so langsam, dass wir Ameisen krabbeln sehen koenne, manchmal so schnell, dass der Fahrtwind kuehlt. Die Strasse flimmert, die Sonne verbrennt uns gnadenlos von oben, der Wind lagert Salz auf unseren Lippen ab. Und wir fahren genauso schnell, dass wir winken, und die Begruessungen der Menschen erwidern koennen.

Mehr Fotos koennt ihr hier anschauen:
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Freitag, 9. Januar 2009
Fahrraeder!!
Heute wollen wir euch zwei Sachen mitteilen.
1.: Unsere Fahrraeder sind da und wir freuen uns riesig darueber!
2.: Verschifft niemals etwas von Deutschland nach Ecuador!
Nach drei Tagen Papierkrieg am Hafen haben wir es geschafft. Wir konnten unsere beiden Fahrraeder die wie mit einer Spedition von Hamburg nach Guayaquil verschiffen haben endlich in Empfang nehmen. Das ganze war weitaus schlimmer als wir es uns vorher ausgemalt haben. Manchmal ist es vorher ganz gut, wenn man nicht weiss was einen erwartet...
Wie wir von der Spedition vor Ort erfahren haben, schaltet man als Privatperson normalerweise einen Agenten ein, der darauf spezialisiert ist Gueter aus dem Hafen zu holen. So ein Agent arbeitet dann 8 - 15 Tage an dem Fall und kostet eine Menge Geld. Also, nichts fuer uns. Durch ein Gespraech mit dem Chef des Zollamtes - ein freundlicher Agent vermittelte uns den Kontakt - erhofften wir uns eine schnelle und unbuerokratische Loesung des Problems. Tatsaechlich war der Mann dann auch sehr bemueht uns zu helfen. Trotzdem, die Buerokratie laesst sich auch vom "Oberchef" persoenlich nicht aus dem Weg raumen. Fuer uns hiess das ersteinmal warten und von einer Stelle zur anderen geschickt werden. Es mussten Passkopien angefertigt werden, Dokumente beantragt, geschrieben und ausgestellt werden, die Raeder mussten inspeziert werden, wofuer fuer uns wieder eine Art "Hafeneintrittsausweis" erstellt werden musste, usw.
Nach drei Tagen kannte uns der halbe Hafen. Die Sicherheitsbeamten schlugen die Haende ueber dem Kopf zusamen, als wir sie wieder einmal um Gewaer baten, die Buerodamen grinsten uns an und die Hafenarbeiter fragten und wunderten sich warum wir denn nicht einmal endlich die Rader mitnehmen wuerden.
Ja, warum denn eigentlich nicht?! Vermutlich war es deshalb so schwer, weil wir als Privatpersonen und "Neulinge" im Buisiness keinerlei Ahnung hatten wie man so etwas angeht. Wir hatten ja noch nicht einmal einen Ausweis um den Hafen zu betreten. Auch fuer den Zoll war es neu, dass die Inhaber der Fracht aufeinmal selbst vor der Tuer standen und die Sachen gleich mitnehmen wollten. Man hatte das Gefuehl, dass einige Leute damit ueberfordert waren.
Die meisten haben uns jedoch mit all ihren Kraeften unterstuetzt und auch nur so war es moeglich, dass wir die Raeder nach nur drei Tagen Arbeit und nicht erst nach 15 Tagen bekommen haben. Manchmal hatten wir schon ein schlechtes Gewissen, weil wir uns nie an irgendeiner Schlange angestellt haben, sondern einfach stur dran vorbeigelaufen sind. "Die anderen die dort stehen werden immerhin fuer ihr Warten bezahlt," sagten wir uns dann meistens. Oft wurden wir auch gleich zum Chef ins Buero geschickt und mussten nicht draussen an den Schaltern stehen. Als der Chef dann fuer ein wichtiges Problem gerufen wurde, war seine Antwort nur: "Jetzt nicht, das hier ist ein wichtiges Problem."
Nun, man kann also nicht sagen das die Leute nicht gewillt waren...
Wir haben es also geschafft mit den Raedern den Hafen, und somit auch den Zollbereich zu verlassen. Weil die Beamten sich nicht sicher waren, ob wir ueberhapt auf Raedern die Kontrollen passieren koennen, bisher wurden nur LKWs durch die Kontrollen gelotzt, begleiteten sie uns einfach.
Wir fuhren also, ein Zollauto vor uns, eins hinter uns an den wartenden LKWs vorbei an die letzte Abfertigungsstation. Ein letztes Mal wurden die Raeder gewogen, die Papiere gecheckt bis wir schliesslich rechtzeitig vor Einbruch de Daememrung in die Freiheit entlassen wurden. Nicht bevor der Zollbeamte uns nocheinmal eindringlich mitteilte, dass die Gefahr ueberall lauerte. Aha.
Wir sind frei,
frei zum losfahren.
Das einzige was wir jetzt noch an Altlasten mit uns herumtragen, ist ein dicker Packen Papier: Dokumente ueber alles moegliche, wann unsere Fahrraeder in Hamburg verschifft wurden, wann sie angekommen sind, welche Farbe und Nummer sie haben, Eintrittspapiere in den Hafen fuer uns, Einfuhrpapiere fuer die Raedern, was sie wiegen und so weiter.
Ein Weilchen werden uns die Freunde aus Papier wohl noch begleiten, bis wir sie hinter der Peruanischen Grenze getrost einem Feuerchen ueberlassen koennen, denn dann ist sicher: Der ganze Zirkus ist entgueltig vorbei!
Morgen geht es los - die Kueste runter Richtung Perú!
Dienstag, 23. Dezember 2008
Gut - aber nicht fuer alle
Jonas wurde vom Hund gebissen.
Das passiert hier schnell. Ueberall gibt es Hunde. Viele Menschen haben Hunde und noch mehr Hunde gibt es ohne zugehoerigen Menschen. Hunde die zu Menschen gehoeren sind meistens gegen Tollwut geimpft, Hunde ohne Menschen meistens nicht. Unguenstig ist dabei, dass also die meisten Hunde nicht gegen Tollwut geimpft sind.
Wir gehen einen Weg entlang und eine Frau mit mindestens fuenf Hunden kommt uns entgegen. Eigentlich sind wir schon vorbei, da gibts ploetzlich grosses Gebell und einer beisst Jonas ins Bein. Nicht wirklich schlimm, erstmal nur ein Schreck. Eine kleine Wunde ist schon zu sehen und da wir von der Frau nicht erfahren, ob ihr wunderbares Vieh gegen Tollwut geimpft ist oder nicht, gehen wir zum Arzt.
Der Arzt in Tumbaco behandelt die Wunde mit einem Haufen verschiedener Mittel und raet Jonas am naechsten Tag in ein Krankenhaus in Quito zu gehen um dort eine Prophylaxeimpfung zu bekommen. Dort werden an die Notaufnahme verwiesen.
Und ich bin sehr positiv ueberrascht von den Gesundheitseinrichtungen hier. Keine sterbenden Kinder in der Notaufnahme, sondern alles sehr sauber, freundlich und es gibt sogar Baenke zum drauf sitzen. Jonas wird gleich in Krankenhauskleidung eingekleidet und bevor ueberhaupt jemand seine (winzige) Wunde anschaut, liegt er auch schon ganz in weiss und gut zugedeckt in einem Behandlungsabteil auf einem (viel zu kurzen) Bett. Wir koennen uns beide ein Laecheln nicht verkneifen: Schon aergerlich, dass der Fotoapparat draussen mit Sebi wartet....
Da Jonas schon in Deutschland gegen Tollwut geimpft wurde, bekommt er eine Auffrischungsimpfung und sein Bein wird grossraeumig verpflastert.
Im Gegensatz zu dem Krankenhaus in Pucallpa, Peru habe ich hier den Eindruck, dass es hier schnell gute Hilfe gibt, im Falle eines Notfalls.
Die Frage ist natuerlich hier wie auch in Peru, welcher Teil der Bevoelkerung sich diese grossartige Gesundheitsversorung leisten kann. Die Notaufnahme wird von 3 Security-Leuten bewacht und die Ausgangstuer wird nur nach Vorzeigen der bezahlten Rechnung aufgeschlossen.
Weihnachten
Morgen ist Weihnachten. Aber bis auf die Plastikbaeume die an jeder Ecke rumstehen und die hektischen Verkaeufer die einem Weihnachtsmuetzen andrehen wollen, geht alles wie immer weiter. Ohne den Jahreszeitenwechsel, der in Deutschland die weihnachtliche Stimmung ausmacht, koennte Weihnachten hier wohl an irgendeinem Tag im Jahr stattfinden.
Mir scheint, als ob viele der Traditionen die ich von Weihnachten kenne, hier nicht verwurzelt sind, aber dennnoch propagiert werden.
Plastikweihnachtsbaeume als Symbol fuer das Leben,
Rote Muetzen bei 30 Grad,
Ausserdem:
Riesige Plakate die darauf aufmerksam machen, was man seinen Lieben alles unbedingt schenken muss.
Wahnsinn?
Nein, Normalitaet.
Schliesslich wollen ueberall die Menschen die Welt nachahmen, die sie in Soaps im Fernsehen vorgegaukelt bekommen.
Auch in diesem Land ist die Kommerzialisierung der Religion mit Weihnachtskugeln, -baeumen, - liedern und Geschenkewahn wie eine grosse, rollende Flutwelle hereingebrochen und beschert den Menschen neben viel Stress hoffentlich wenigstens auch ein bisschen Ferien.
Bilder von Quito:
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| Quito |
Ich wuensche euch schoene Weihnachten!
Nina
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Hallo ihr lieben Leute!
Nun schreiben wir euch das erste Mal vom anderen Ende der Welt ; )
Wir sind da und seit heute habe ich auch das Gefuehl langsam hier richtig anzukommen. Obwohl es noch ein bisschen dauern wird, bis es sich hier heimisch anfuehlt.
Vor einer Woche haben wir uns in Hamburg verabschiedet und sind durch einen ewigen Sonnenaufgang geflogen - nach 6 Stunden hab ich mich dann gefreut, dass wir ueber Canada abgebogen sind und es endlich mal richtig hell wurde.
Wir hatten kurz Zeit einmal nach New York reinzufahren und uns auf dem Weg dahin durchregnen zu lassen, weil das Dach undicht war. Ueberall auf den Strassen nur die fettesten Autos - nur der Bus, der ist undicht... Abends landeten wir in Houston, Texas und wurden sehr nett von einer Couchsurfing Familie empfangen. Wie schoen es doch ist, wenn irgendwo in der Fremde ploetzlich Menschen auf einen warten, aufnehmen und sich an ihrem Leben teilhaben lassen - und das voellig ohne Gegenleistung.
Freitag abend ging es weiter Richtung Ecuador und wir hatten das Glueck vom Flugzeug aus den wunderschoenen Vollmondaufgang zu bewundern. Die Menschen um uns herum wurden zunehmend suedamerikanischer - wasn Wunder ; ) - nur die Filme im Flugzeug blieben die gleichen bloeden Ballerstreifen - ein Hoch auf die Kopfhoerer!
Jonas, mein Bruder, holte uns in Quito ab - er war zum Glueck mit seinen fast zwei Metern in der Menge gut zu erkennen.
Er ist nun schon ueber drei Monate hier und seine Umgebung hier kennen zu lernen ist spannend. Nachdem wir ein paar Tage in Quito verbracht hatten - uiuiui ganz schoen anstrengen, auf fast 3000 m eine Erhebung hochzukommen ... - fuhren wir am Dienstag nach Chumbillo alto, das Dorf in dem Jonas als Freiwilliger in der Schule arbeitet.
Wir brauchten ueber zwei Stunden fuer den Weg und eine Fahrt mit dem Bus hier ist immer wieder ein Erlebnis wert. Das Dorf liegt auf einem Berg auf ca. 3200 m und die letzte halbe Stunde fuhren wir mit zwei Lehrerinnen mit, die im Nachbardorf unterrichten und uns mehr aus Pflichtgefuehl als aus Freundlichkeit heraus mitnahmen. Die letzte halbe Stunde zu Fuss und schon standen wir vor der frisch gestrichenen Schule des Dorfes - ein wunderschoener Ausblick empfaengt uns und eine Horde Kinder die etwas verschuechtert, uns mit jedem Tag aber ausgelasser ihr "Buenos días" zurufen. Jonas wird von jedem einzelnd mit "Buenos días, profesor" begruesst.
Luis ist der einzige richtige Lehrer in dem Dorf, Jonas unterstuetzt ihn und Sebastian und ich schauen zu, wie 30 Kinder von 5 - 12 Jahren unterrichtet werden. Der Tag beginnt ca. um halb neun mit einem Fruehstueck aus Kakao und Keksen, jedes Kind bringt seine Tasse mit. Dann irgendwann beginnt der Unterricht mit einem (sehr traurigen) Weihnachtslied. Hier scheint es nicht wichtig zu sein, dass alle Kinder an ihren Aufgaben arbeiten, zwischendurch stehen sie auf, spielen; die Kleinsten arbeiten jeder im eigenen Tempo in einem Aufgabenheft, Hunde rennen durch die Raeume und hoffen auf Nahrung. Irgendwann nach ungefaehr zwei Stunden gibt es eine Pause und die Kinder - alle in Gummistiefeln - rennen raus und spielen Fussball auf einem riesigen Matschfeld. Nachmittags ist frei, die Kinder verteilen sich wieder auf das weit gestreckte Dorf.
Einen Tag unterrichtet Jonas die Aelteren in Englisch. Die schwerste Frage bleibt die, wie es wohl zu schaffen waere, dass sich die Kinder ueberhaupt ein Wort in Englisch merken koennen. Jonas erzaehlt, dass auch nach Wochen Englischunterricht, jedes Mal fragende Blicke auftreten wenn der Satz "How are you?" faellt.
Die Kinder haben Spass daran Karteikarten zu basteln, Tiere auf die eine Seite zu malen und das englische Wort auf die andere, auch sich gegenseitig abfragen macht ihnen Spass, aber sich die Worte merken? Das ist sehr schwer.
Wir gruebeln - wie ist es moeglich etwas zu vermitteln, mit spielerischen Methoden und so, dass die Kinder in der naechsten Stunde auch noch wissen, was "I'm fine" heisst? In diesem Dorf in den Anden, zwei Stunden Fussweg entfernt zur naechsten kleinen Stadt gibt es einfach keine Verbindung zu Englisch. Es kommt nicht, wie bei deutschen Kindern, in ihrem Leben vor. Im Radio laeuft Musik auf Spanisch, Fernsehen gibt es keins, der einzige Computer in der Schule wird erst ab Januar Internet haben.
Seit sieben Jahren gibt es in Chumillos alto eine Schule, vorher gingen die Kinder ins Nachbardorf. Einige Jugendlich gehen auf eine weiterfuehrende Schule in die naechste Stadt. Seit 15 Jahren gibt es Strom im Dorf. Luis, der Lehrer, erzaehlt, dass die Jahreszeiten nicht mehr so klar getrennt sind, wie frueher in der Generation seiner Grosseltern. Das Dorf wandelt sich, vielleicht werden die heutigen Kinder, die jetzt bei Jonas Englisch lernen, nicht mehr in dem Dorf alt werden, vielleicht werden sie in die Stadt gehen und vielleicht werden sie dort Englisch brauchen. Im Moment ist es noch etwas ohne Bedeutung, nicht mehr als eine nette Beschaeftigung, irgendwann wird es vielleicht einmal mehr Stellenwert haben - leider koennte man jetzt denken - oder gut?
Die Naechte sind kalt im Dorf, aber zu dritt in Jonas kleinem Raum ist es sehr gemuetlich. Heute morgen leuchtete ein Schneebedeckter Gipfel in der Ferne, Quito war unter Wolken verborgen.
Bald ist Weihnachten und drei andere Freiwillige die eigentlich in der Tumbaco, einer Vorstadt von Quito, arbeiten, sind in der Dorf gekommen um den Kindern ein Puppentheater vorzuspielen und mit ihnen Kekse zu backen. Da es keinen Ofen im Dorf gibt, haben sie einen Ofen auf dem Pick-up mitgebracht und los geht es: Die Kinder sind aufgeregt, zuerstmal Haende waschen, dann werden die Tische abgewischt und schon sind die Kinder dabei, den Teig plattzudruecken, mit Flaschen auszurollen, Kekse auszustechen und als Hoehepunkt die Kekse mit Lebensmittelfarbe anzumalen. Was fuer ein Spass! Entsprechend sieht der Raum auch hinterher aus - aber die sowieso schon von der Hoehensonne roten Wangen der Kinder leuchten - fuer viele das erste Mal, dass sie Kekse backen. Und sie schmecken gut!
Viele Menschen sind heute im Dorf unterwegs, Kuehe, Schafe und Schweine werden durch die Gegend gefuehrt und Frauen mit traditionellen Roecken und Ponchos druecken sich an den Fenstern der Schule die Nase platt, um zu sehen, was darin gemacht wird.
Am Ende des Vormittags spielt die Dorfband fuer alle ein Dankeschoenstaendchen - Jonas wird als Rhythmusmensch integriert und von allen bejubelt *grins*
Mit den anderen Freiwilligen fahren wir mit elf Menschen in einem Pick-up wieder Richtung Quito. InTumbaco angekommen ist es wie eine andere Welt - Stadt, Gestank, grau, Staub. Kontrast zu der Idylle auf dem Berg. Und ich fuehle mich wohl, merke, dass ich langsam hier ankomme, dass das Herz dieses Landes in den "indígenas", den Einheimischen liegt. Dass es alles andere als grau und verstaubt ist, sondern vielmehr gruen und saftig und voller Schoenheit. Es tut gut, das urspruenglichere Leben zu sehen um zu merken, dass das ganze Grau und der Staub in der Stadt auch einen Kern hat, der ganz anders aussieht.
Ich bin gespannt, was wir hier noch alles entdecken werden.
Sonnige Gruesse,
Nina







