Montag, 30. März 2009

Fotos von Trockenklos

Heute war ein heisser Tag, noch scheint der Sommer nicht zu Ende zu gehen. Gut so!

Hier sind nun endlich einige Fotos von einem Trockenklo, damit ihr es euch besser vorstellen koennt. Es ist so, dass der Urin vom Rest getrennt wird, durch einen speziellen Klositz. So kann der Urin als Duenger genutzt werden und der Rest trocknet und wird spaeter noch kompostiert. Allerdings ausserhalb des Klos.
Heute ist bei uns das Wasser bei uns in der Wohnung ein Weilchen ausgefallen, da waer ein Trockenklo schon was feines. Sonst stinkt es naemlich - nicht so beim Trockenklo!

Fuer Fotos klickt hier drauf:
Trockenklos I-Seite

Sonntag, 15. März 2009

Nebelfaenger und Trockenklos

von Nina

Heute waren wir zusammen mit Anne und Kai, die das Nebelfaengerprojekt betreuen, in Quebrada Alta, einem Randbezirk von Lima. Dort war heute Stichtag, um einen Nebelfaenger zu bekommen, mussten die Leute dort bis heute eine Wasserspeichergrube ausgehoben haben. Jetzt in der Trockezeit ist es schwer vorzustellen, aber ein Nebelfaenger soll im Winter 600 Liter Wasser am Tag aus der Luft auskaemmen. Mehr als so eine Gemeinschaft braucht. Genug um Gaerten anzulegen fuer Gemuese und anderes Gruen.
Frueher waren die Huegel um Lima herum mit Baeumen bedeckt, die als natuerliche Nebelfaenger dienten und so den Huegel und sich selbst bewaesserten. Durch den rasanten Wachstum Limas, verschwanden diese Oekosysteme voellig, die Huegel trockneten aus.
Mit dem Nebelfaengerprojekt soll dieses Oekosystem nun wieder begruendet werden. Erst mit kuenstlichen Nebelfaengern die Wasser auskaemmen um so Baeume bewaessern zu koennen, die spaeter wieder die Nebelfaengerfunktion uebernehmen sollen. Zusaetzlich wird Wasser in Speicherbecken gesammelt, um die Menschen unabhaengiger von den Wasserlieferungen mit dem Tankwagen zu machen.

Nebelfaenger der Nachbargemeinde

Es ist toll zu sehen, wie motiviert die Menschen sind. Strahlende Gesichter und eine begeisterte Dankesrede an Anne und Kai: Die Grube ist gross genug, das Projekt wird weitergehen.
In den naechsten Wochen wird nun das Betonbecken gegossen, danach werden die Nebelfaenger aufgestellt. Zu Beginn der Nebelzeit im Juni soll alles fertig sein.
Und die Menschen haben es selbst gemacht, haben in schwerer Arbeit die Grube in den steinigen Boden geschlagen und bewiesen, dass ihnen diese Art der Wasserversorgung wichtig ist.

Ungefaehr 80% der Einwohner Limas sind ans Wassersystem angeschlossen. Oft gibt es allerdings nur einige Stunden am Tag Wasser. Ein grosses Problem von Lima ist nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch die Abwasserentsorgung. Ca. 15% der Abwaesser werden geklaert, der Rest wird ohne irgendeine Form der Behandlung ins Meer geleitet. Und auch in den bestehenden Klaeranlagen ist der tatsaechliche Erfolg der Klaerung fragwuerdig. Kein Wunder also, dass das Meer vor Lima zu den am staerksten verschmutzten der Welt gehoert.



Dreckfahne im Wasser

Dabei gibt es Loesungen dafuer. Pflanzenklaeranlagen hatte ich schon erwaehnt. Eine weitere geniale Moeglichkeit sind Trockentoiletten.
Heike war heute auch mit dabei. Unterstuetzt durch die GTZ ist ihr Ziel in drei Jahren 300 Trockentoiletten in Lima zu bauen. Vor allem in Bezirken wo es noch kein fliessend Wasser gibt sieht sie Aussicht auf Erfolg. Diese Toiletten funktionieren aehnlich wie Komposttoiletten ohne Wasser. Geruchsfrei und mit Duenger als Endprodukt. So koennten in den wasserlosen Gebieten Limas hygienische Baeder installiert werden, aber auch in Gebieten mit Wasseranschluss, koennte durch diese Technik weniger Abwasser produziert werden.
Immer mehr Menschen begeistern sich fuer diese Art der Toiletten und vor allem Frauen und Kinder wuerden so unterstuetzt. Erst heute sagte uns der Gemeindevorsteher von Quebrada Alta, dass 80% der Kinder an Magenkrankheiten leiden, vor allem wegen der unhygienischen Umstaende der bestehenden Toiletten. Diese Toiletten bestehen aus einem Loch im Boden, abgedeckt mit einer Platte. Darauf steht ein Haeusschen. Ist das Loch voll, wird an einer anderen Stelle ein neues Loch gegraben und das Haeusschen draufgesetzt.
Quebrada Alta allerdings liegt an einem steilem Hang. Die Fluessigkeit aus der Toilette sickert durch den sandig-steinigen Hand und tritt unten wieder zu Tage, oder wird sichtbar an den nassen Haeuserwaenden, der in den Hand gebauten Huetten.
Mit Trockentoiletten waere dieses Problem geloest.

Hier noch einige Bilder:

Lima I-Seite

Donnerstag, 12. März 2009

Limasommer

von Nina

Sommer in Lima. Die meissten Tage scheint die Sonne, es ist warm. Wunderschoene Sonnenuntergaenge an der Kueste und jeden Tag T-Shirt Wetter. Noch ca. einen Monat, dann faengt der Winter an. Winter bedeutet hier, dass Nebelschwaden die Sonne verdecken und es etwas kuehler wird. 

Schon einen Monat sind wir jetzt in dieser riesigen Stadt, lernen immer mehr von ihr kennen. Unser Haeusschen ist dicht am Meer, mitten in der Stadt an einem kleinem Park. Wir haben richtig Glueck gehabt, mit der Wohnung und den Menschen im Haus.

Blick auf unser Haus durch den Park (Orange ist es)

Nahe bei gibt es mehere groessere Strassen auf denen wir bis heute noch nicht das Busgewirr verstanden haben. Die Menschen von hier allerdings auch nicht. Einen Busfahrplan gibt es nicht, allerdings kann man davon ausgehen, dass ueberallhin Busse fahren. Wie mit allem anderem auch in Lima: Es gibt alles, man muss es nur finden ; ) Fragen bringt einen meisstens weiter, ob in die richtige Richtung ist nicht immer so sicher... 
Busse gibt es in allen Groessen, draussen drauf steht geschrieben, wo sie langfahren, ausserdem hat jede Route eine andere Farbe und Nummer. Der Fahrer versucht sich durch schnelles Gasgeben und Abbremsen durch das Verkehrgewuehl zu schlaengeln. Manchmal frage ich mich, ob es mutig ist, sich in einen Bus zu setzen oder einfach nur wahnsinnig. 
In der Tuer vom Bus steht der "Cobrador" - der Mensch der die Tuer bei jeder Gelegenheit aufreisst, die Route des Buses aus voller Kehle den Wartenden zubruellt und die Fahrgaeste im Bus abkassiert. Der Preis ist meist festgelegt, manchmal Verhandlungssache. 
Seit kurzem gibt es Haltestellen an den grossen Strassen in Lima. Offiziell ist es nun verboten ausserhalb dieser Haltepunkte zu halten. Wegen den Strafgeldern wird dies teilweise auch eingehalten, was den positiven Effekt hat, dass der Bus etwas schneller vorankommt, da er nicht mehr an jeder Ecke haelt, sondern nur noch an jeder zweiten.. 
In anderen Laendern kann man davon ausgehen, dass man mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln recht gradlinig an sein Ziel kommt. Davon ist hier keine Spur. Die Busse fahren alle erdenklichen Schlaengel durch die Stadt. Kein Wunder also, dass die Mehrzahl der Menschen aus Lima jeden Tag mehrere Stunden im Bus verbringt. 
Da das Bussystem nicht zentral organisiert, sondern in viele kleine und Mini-Unternehmen aufgeteilt ist, versucht jede dieser Busgesellschaften die besten Routen mit den meissten Fahrgaesten zu ergattern. In der Innenstadt zum Beispiel gibt es bestimmte Strassen, wo fast alle Busse durchfahren. Bei mehreren hunderten Bussen ist das ein Problem und die Folge: Vorankriechen und endloser Stau. Ob es dadurch mehr Fahrgaeste gibt, bezweifel ich... 

Meine Arbeit macht Spass und ist sehr vielfaeltig. Sebi ist in der Schule mit Garten- und Zirkusprojekt gut beschaeftigt und kaempft sich durchs Spanische. 
Einige Tage in der Woche bin ich auch in der Schule, helfe beim Zirkus und geniesse die angenehme Atmosphere dort, einen schoenen gruenen Garten, Lehrer wie Schueler sprechen sich beim Vornamen an und es scheinen andere Werte zu herrschen als in der "Normalwelt Lima".

Andere Tage bin ich in Villa el Salvador unterwegs, einem Randbezirk von Lima, besuche dort Familien mit behinderten Menschen und bin erstaunt, wie schnell Veraenderung hier funktioniert. 
Behinderte haben in der Gesellschaft hier noch weniger Platz als in Deutschland. Viele behinderte Kinder verbringen die meiste Zeit des Tages alleine zu Hause, haben keine Aufgabe und keine Spielgefaehrten. 
Zusammen mit noch einem Deutschen besuche ich einige Kinder, verbringe Zeit mit ihnen, lerne ihre Lebensumstaende und ihren Stadtteil kennen. Neulich haben wir Beete mit den Kindern angelegt, ein paar Blumen gepflanzt. Es ist toll zu sehen, wie die Kinder aufbluehen, mit wie viel Hingabe sie sich um die Pflanzen kuemmern. Und mehr Kinder kommen hinzu, wollen auch Pflanzen bei sich am Haus haben. Erwachsene sprechen uns an, wie positiv sie die Veraenderung in Richtung Gruen finden. Die Gespraeche mit den Menschen sind spannend, wie sie leben, woher sie kommen. Die Pflanzen oeffnen uns die Haeuser und die Seele der Menschen. Jeder Besuch dort ist anders, aber jedes Mal lerne ich ein Stueckchen mehr. Das Potenzial dort mit den Menschen zusammen Sachen zu veraendern ist riesig. 
Es gibt so viele tolle Moeglichkeiten die genutzt werden koennten, um die Stadt gruener zu machen und das Leben gesuender. Ecosilos (ein Kompostsystem) sind eine davon. Pflanzenwasserfilteranlagen eine andere. Es ist faszinierend was mit diesen Filteranlagen alles moeglich ist. Ich habe eine Schule kennengelernt, dort wird das ganze Abwasser in die Pflanzenfilteranlage geleitet und danach zum Bewaessern des Schulgelaendes genutzt. Alles gruent und blueht. 
Ganz Lima koennte nur mit Abwaesser begruent werden! Aber noch stehen zu viele Machtinteressen im Wege. 

Viel Entwicklungshilfe fliesst nach Lima. Viel wird den Menschen geschenkt, viel davon brauchen sie nicht. Ich versuche zu dokumentieren, wie Geld hier ankommt, in Projekte fliesst und schliesslich versackt. 
"Schau der Wahrheit ins Gesicht, bis sie dich anschreit - und dann schrei zurueck." 
Ich schaue und es gibt viel zu sehen. Sehr viel. Wenn man nur mal aufhoert zu denken, dass Hilfe immer gut ist und die Menschen hier zwangslaeufig arm.

Unter diesem Link findet ihr einen Artikel ueber Lima.


Und hier noch einige Fotos von Lima:
Lima I-Seite

Freitag, 6. Februar 2009

Anden

von Nina

Seid etwa zwei Wochen radeln wir durch die Anden. 
Es macht Spass, es ist toll, anstrengend und voellig anders als an der Kueste entlang zu fahren.
 Abgebogen von der Panamericana sind wir in einen staubigen Weg, ueber Schotterpisten die stetig, aber nicht zu steil anstiegen erreichten wir die erste Doerfer. Immer entlang des Río Santa, einem maechtigem Fluss, der sich zwischen Cordillera Blanca und Cordillera Negra entlangwindet. So viel Wasser und doch so trocken. 

Erst ab 1.500 Metern wird es langsam gruener, kuehler, regnerischer. Jetzt ist Regenzeit in den Anden, und spaetestens ab Nachmittags schuettet es. Mal mehr mal weniger. Baeche fliessen auf der Strasse, ja die Strasse selbst verwandelt sich in einen Bach. Weisse Bergspitzen tauchen auf, wir radeln am hoechsten Berg Perus, dem Huazcarán mit ueber 6.700 m, vorbei. 
Die beiden Cordilleras sind nach dem Himalaya die hoechste Gebirgskette der Welt, etliche Sechstausender und ueber 600 Gletscher! 

Die Orte unterscheiden sich sehr, je hoeher wir kommen, desto gruener wird es. Wir durchqueren winzige Doerfer in denen Blumen in allen Farben strahlen, wunderschoen. 
Die Frauen in den Andendoerfer tragen zum grossen Teil traditionelle Kleidung. Ein Hut auf dem Kopf, die langen schwarzen Haare zu Zoepfen geflochten, eine Vielzahl von Roecken uebereinander, ein leuchtendes Tuch um den Ruecken geschlungen, aus dem oft ein Kind herausschaut. Vor allem in kleinen Orten herrscht ueberall Geschaeftigkeit: Felder werden bestellt, Tiere zum Weiden gebracht, Maenner reiten in Ponchos umher, und Kinder begruessen uns in selbstgestrickten Pullis. 
Ab 3.500 m wird die Landschaft kahler. Weite Wiesen dehnen sich auf dem Berghaengen aus, kaum noch Baeume. Zwei Frauen sprechen uns auf Quechua an. Ihre Augen strahlen. In Spanisch erzaehlen sie uns, dass sie gerade Kartoffeln vom Feld geholt haben, und zeigen auf ihren Ruecken, wo sich eingeschlungen in bunte Tuecher anscheinend sehr viele Kartoffeln verbergen. "Wie ihr", sagen sie, "ihr habt auch viel zu tragen." 
Oft sind die Menschen auch schuechtern, betrachten uns skeptisch. 

Leider schaffen wir es nicht, die ganze Strecke nach Lima mit dem Rad zu fahren. Durch die Regenzeit kommen wir langsamer voran und wir wollen Anfang naechster Woche in Lima eintreffen. Einige Stuecke sind wir daher mit dem Bus gefahren, haben von dort drinnen beobachtet und die Unterschiede zwischen teurem und billigem Bus deutlich zu spueren bekommen. 

Heute sind wir in La Oroya eingetroffen. Es ist ein kleines Kaff, beruehmt fuer die Mine die es hier gibt. Stromausfall. Waehrend wir warten, dass es wieder Elektrizitaet gibt, erzaehlt mir eine Frau, dass das Atmen hier schwer sei, wegen derAbgase die das Minenunternehmen produziert. Wir lesen, dass 9 von 10 Kindern hier einen zu hohen Bleiwert aufweisen. 

Jetzt sind es noch 200 Kilometer bis nach Lima. Davon geht es 35 bergauf auf 4.800 m und danach in 165 Kilometern bergab auf Meeresniveau. Unsere Bremsen haben wir gestern schon mal nachgezogen ; )
Uebermorgen wollen wir in Lima sein. Seid fast zwei Monaten sind wir in Suedamerika und die Fahrradtour war fuer mich auch ein langsames Naeherkommen. An die Menschen. An Lima. An das was wir dort machen werden. Nun ist es Zeit anzukommen. Ich freue mich drauf. Wir haben viele Eindruecke, Bilder, Erlebnisse und Begegnungen in uns aufgenommen. Und wir werden weiter sammeln und erleben. 


Auf dieses Bild koennt ihr klicken fuer mehr Bilder:
Anden I-Seite

Katastophenritt - oder ein Wettlauf mit dem Licht

von Nina

Mittwoch, 4. Februar: Eigentlich wollten wir mit dem Bus von La Union nach Huánuco fahren. Dann kam es anders.

5:20 Wecker klingelt, Guten Morgen!
6:00 Unsere Fahrraeder werden in den Bus verfrachtet, letzte Gepaeckklappe, uebereinandergestapelt, wir hoffen, wir sehen sie noch mal heil wieder...
6:15 Die Fahrt mit dem Klapperbus beginnt. Der Bus kurvt durch die Gegend und sammelt Menschen ein. 
6:25 Wir verlassen den Ort La Union, ab jetzt gibt es nur noch Schotterpiste.
7:10 Die Strasse schlaengelt sich durch die Berge, die Kurven sind haarstraeubend, die Strasse gleicht vom vielen Regen einer Schlammpiste. 
7:45 Schnell aussteigen! Der Bus steckt in einer Kurve in der ein Fluss die Strasse quer fest.Vorne stoesst er an die Felswand. Bei jedem Versuch rueckwaerts zu fahren, rutscht er dichter an die Schlucht. Bedenkliche Schraeglage. 
8:00 Auf beiden Seiten des Busses stehen Haufenweise Menschen. Andere Fahrzeuge kommen auch nicht weiter, die Strasse ist blockiert. 

8:15 Mit Hilfe von vielen Steinen wird der Bus aus dem Schlamm befreit. Einsteigen. Weiter gehts. 
9:00 Stop - Notfall! Ein Bus der direkt vor uns faehrt ist an einer am Strassenrand wartenden Familie so schnell vorbei gefahren, dass ein auffliegender Stein ein Maedchen trifft. Grosse Aufregung. Die Familie steigt bei uns in den Bus ein. 
9:45 Nix geht mehr. Die Achse vom Bus ist gebrochen. Menschen stehen ratlos rum, einige schimpfen. Mehr und mehr Fahrzeuge kommen von beiden Seiten. Ein langer Stau entsteht. Unter vielen Zuschauern packen wir unsere Fahrraeder aus und strampeln los. Lieber mit dem Rad weiter als mit diesem Bus! 
Ca. die Haelfte der Strecke nach Huánuco ist geschafft, fehlen noch 70 Kilometer. 
10:00 Erster Regenschauer. Ein Vordach bietet Schutz.
10:15 Wieder trockener. Man sagt uns, zum Pass sind es nur 3- 4 Kilometer. "In einer halben Stunde seid ihr oben, danach geht es nur noch bergab."
13:00 Mittagspause im eisigen Wind. Nach mehr als 12 Kilometern bergauf haben wir den Pass immer noch nicht erreicht. Dafuer faengt es wieder an zu regnen.
13:45 3.900 m "La Corona del Inka" (Die Krone des Inka). Schoener Ausblick. Ab jetzt gehts bergab. 2000 Hoehenmetern auf den verbleibenden 58 Kilometern nach Huánuco. 
14:00  Kurze Pause um noch mehr anzuziehen. Mittlerweile habe ich 3 Jacken uebereinander. Es schuettet in Stroemen. 
15:00 Die Sonne kommt raus, wir fahren mit ca. 12 Kmh die Schlammpiste hinunter. 
15:30 Die Strasse trocknet und die vielen Serpentinen koennen wir etwas schneller fahren. Die Landschaft ist atemberaubend (vielleicht auch wegen der Hoehe?) schoen und langsam pellen wir uns wieder aus den Klamottenschichten. 

16:30 Wir haben noch 2 Stunden bis es Dunkel wird und noch 30 Kilometer liegen vor uns. Bergabfahren geht schnell - koennte man meinen. Dachten wir auch mal. Jetzt nicht mehr. 
17:00 Zum 107 Mal schreit mir jemand "Hola Gringa" zu. Ich erwidere ein (hoffentlich) freundliches "Hola" und drehe langsam durch. Muss mich hier jeder "Gringa" nennen? 
17:10 Sebastian regt sich darueber auf, dass die Menschen oft nicht "Hola", sondern nur "Gringo" rufen. 
17:15 Stopp - mein Steinvorrat ist mal wieder zu Ende. Ich hebe ein handvoll Kiesel auf. Um die Hunde abzuwehren die hier sehr aggresiv klaeffend hinter uns herlaufen. 
17:20 Ich fahre ungluecklich gegen einen Stein und mein Hinterrad lockert sich. Reparatur. 
17:30 Es fehlen noch 22 Kilometer. Koennen wir nicht schneller fahren? 
18:00 Meine eine hintere Satteltasche faellt runter, eine Schraube ist verloren gegangen. Wir befestigen sie mit einer Schluesselkette. 
18:15 Die Schluesselkette reisst. Erneute Reparatur, diesmal mit einem Expander. Noch 8 Kilometer. 
18:25 Wir koennen die Stadt sehen!
18:30 Tolles Licht und rot gefaerbte Wolken. Die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden. 
18:33 Wir erreichen die Aussenbezirke von Huánuco. Ab jetzt gibt es Strassenlaternen, die wenigstens Schummerlicht verbreiten.
18:45 Radeln durch die dunkle, belebte Stadt. Zum Glueck hat das Licht an unseren Raedern die Busfahrt ueberstanden. Ohne waere es schwer den Schlagloechern auszuweichen.   
19:00 Da! Eine schoene Unterkunft - wir haben es geschafft! 

Und sind geschafft...


Da kommt einer doch ins Gruebeln: Ist Radfahren nicht vielleicht der sicherere und schnellere Weg?!

Donnerstag, 29. Januar 2009

Casa de las Ciclistas in Trujillo

von Nina

Luchos Haus liegt im Zentrum von Trujillo und die Wand ueber der Tuer ist bemalt mit einem Bild auf dem ein Rennradfahrer und ein Reiseradler zusammen eine Weltkugel hochhalten. Amistad (Freundschaft) ist darueber zu lesen.



Schon lange bevor wir in Trujillo eintreffen, wissen wir von Luchos Haus, dem "Casa de las Ciclistas" (Haus der Fahrradfahrer). Lucho selber ist Profirennradfahrer, hat in etlichen peruanischen Rennen gewonnen und nimmt seit mehr als 20 Jahren Reiseradler die durch Trujillo kommen in seinem Haus auf.
Die Liste an Menschen die schon hier waren beeindruckt und die Gaestebucheintraege zeugen von einer Vielzahl an Geschichten. Menschen die wie wir "nur" kurze Zeit per Fahrrad unterwegs sein werden, dann die Vielzahl an Radlern die von Alaska nach Feuerland oder umgekehrt wollen und dann die Menschen, bei denen Radeln schon viel mehr ist, als nur ein Abenteuer auf Zeit: Weltumfahrer oder Familien, die schon seit Jahren durch die Welt touren, die Kinder im Anhaenger. Fahrradfahrend durchs Leben und dabei die ganze Welt durchqueren.

Sofort fuehle ich mich sehr wohl im Casa de Ciclistas. Luchos Familie ist sehr nett und betont immer wieder, wir sollen uns wie zu Hause fuehlen. Gerade wird eine Hochzeit vorbereitet. Braeutigam ist Luchos Neffe, er ist 18. Die Braut, ebenfalls 18, erwartet ein Kind und da gibt es im doch noch recht traditionellen Peru nicht allzu viele Moeglichkeiten. Heiraten ist eine davon. Abtreiben offiziell verboten.
Das Hochzeitsfest wird bei Lucho im Haus stattfinden. Nachts helfen wir noch die Fahrradwerkstatt aus dem grossen Eingangsraum in ein Hinterzimmer umzuziehen und tags darauf wird fieberhaft an den Vorbereitungen gearbeitet. Streichen, Putzen, Musikanlage aufbauen.
Sebastian und ich entgehen dem allerdings und schauen uns lieber Chan Chan an. Eine Ruine nahe Trujillo aus der Chimú-Zeit (1.000 - 1.400 n. C.), die groesste Lehmziegelstadt der Welt. Beineindruckend, aber in der Mittagshitze viel zu heiss.




Zerfallende Lehmmauern


Schoen ist es in einer Stadt bei netten Menschen unterzukommen und so gleich Kontakte zu knuepfen die ueber das alltaegliche Blabla hinausgehen. Durch Lucho lernen wir in Trujillo Menschen kennen, die uns ihre Geschichte erzaehlen; Deutsche, die nach Peru ausgewandert sind; ein Priester, der nun kein Priester mehr ist, weil er sich verliebte und nun als Musiker sein Geld verdient - er spielt ueber 30 Instrumente!

Der kleine Sohn von Lucho ist uebrigens schon genauso begeistert fuer Fahrraeder wie sein Papa. Lance heisst er. Und Lucho fuegt grinsend hinzu "Wie Lance Armstrong".

Kein Wunder, dass sich da in Luchos Gaestebuch Eintraege finden lassen, die sich auf diesen Namen beziehen. Zum Beispiel "Lance - el prometido (der Versprochene)" oder "Hoffenlich gewinnt er dann auch die Tour de France"


mit Lucho



Mehr Fotos von der trockenen Kueste findet ihr hier:
Kueste 2 I-Seite

Mittwoch, 21. Januar 2009

Auf Stahlrössern durch die Wüste

von Sebastian

Ein furchtbares Gefühl. Ein trockener Geschmack im Mund. Die Zunge klebt. Die Hoffnung auf Wasser verdrängt jeden Gedanken. Man will ein ganzes Meer austrinken, soviel Durst hat man, aber das nasse Element lässt auf sich warten.

Heute haben wir genug dabei. Zum Glück.

Morgens fahren wir los. Es ist der 21. Januar 2009. Vor uns liegt eine Strecke von über 100 Kilometern. Erst radeln wir durch Weide- und Anbauland, dann nehmen die Grünflächen langsam ab. Die Kulisse um uns herum ändert sich. Der Film bleibt. Wir strampeln weiter. Keiner von uns weiss wann wir ankommen werden. Die Kilometerangaben von Karte und Schildern weichen stark voneinander ab.

Um uns herum Sand, Wind und Einsamkeit. Unter uns Stahl, Gummi und Teer. Wir sehen Wanderdünen, die sich durch den Wind langsam von West nach Ost bewegen. Ab und zu verdorrte Sträucher. In der Mitte, wie immer, der heiße Asphalt der Panamericana. Ein Blick zum Horizont bringt keine Neuigkeiten. Der Wind wird bald so stark, dass wir nur noch mühsam vorankommen. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit ist von 25 km/h auf 15 km/h gefallen. Wir sind nun nur noch drei mal so schnell wie ein Fußgänger und sechs mal so langsam wie die an uns vorbeidonnernden Autos. Was solls, der Blick in die Landschaft ist sowieso immer schöner als der auf den Tacho. Ich stecke mir die Ohrstöpsel ins Ohr und höre "Element of Crime." Komisch diese Musik hier zu hören. Eigentlich passt sie nicht hierher. Nach zwei, drei Liedern wirkt jedoch alles viel harmonischer. Die sanfte Melancholie der Musik legt sich wie eine eine Zweite Haut über die trockene Traurigkeit der Landschaft. Zeit zum Nachdenken.

Ich schalte den Mp-3 player ab. Ich habe keine Lust mehr auf Musik. Auch keine Lust mehr auf Wüste. Der Wind nervt. Da ist es nun, das trockene Gefühl im Mund. Zum Glück haben wir noch Wasser. Die Beine sind trotzdem noch schwer und die Salzschicht, die der Schweiß auf meinem Gesicht produziert, wird immer dicker. Mein Sattel war auch schon einmal bequemer. Scheibenhonig! Das schlimme ist ja, dass man nicht weiss wie lange es so weiter gehen wird. Ich traue mich nicht anzuhalten, verzichte aufs fotografieren, als könnte ich so der Hitze entfliehen.

Ein großes Betonschild am Straßenrand verkündigt uns die frohe Botschaft. In bunten Lettern steht da geschrieben, dass wir nach 15 Kilometern die Tankstelle eines grossen Ölkonzerns erreichen werden. 15 Kilometer. Das heisst noch eine Stunde ab durch die leere Mitte. Bei Kilometer 88 ereichen wir so etwas ähnliches wie ein Dorf. Keine Tankstelle, dafür ein Restaurant.

Die letzten 15 Kilometer bis an die Küste sind nur noch Peanuts.